Warum ist das Zitadellenumfeld von herausragender Bedeutung?

Eisvogel

Eisvogel Foto: Lukasz Lukasik

  • Das Umfeld der Zitadelle hat einen sehr hohen Naturschutzwert, der weit über die Absichten der bestehenden Rechtsbeschränkungen (u.a. Landschaftsschutzgebiet, geschützte Grünfläche) hinausgeht. Trotz vergleichsweiser kleiner Fläche ist die Umgebung der Zitadelle ein „hotspot“ an Artenvielfalt. Man frage die Tierfotografen, die dort immer mal wieder anzutreffen sind (Zitadelle europaweit unter Tierfotografen bekannt!). Jede / jeder kann sich von der außerordentlichen Artenvielfalt im Frühjahr morgens oder abends überzeugen – wunderbare, ungewöhnlich vielstimmige „Vogeluhr“. Viele gefährdete Arten – u. a. Habicht, Eisvogel, Nachtigall, Specht, Fledermaus, Biber, Fischotter, Fische (Rapfen) und… und…) haben hier ihren Lebensraum, der Westliche Abzugsgraben gilt als mutmaßlich artenreichstes „Reproduktionsareal“ für Strömung bevorzugende Fischarten in Berlin.
  • Für die überregionale Biotopverbindung der aquatischen (Fische) und semiaquatischen Tierwelt ist der Bereich um die Zitadelle (Biber, Fischotter), aber auch für Wasservögel mit dem Westlichen Abzugsgraben von erheblicher Bedeutung. Das Gebiet ist sozusagen das Nadelöhr für alle Arten, die zwischen Ober- und Unterhavel und dem Spreeeinzugsgebiet wandern.
  • Das Zitadellenumfeld ist ein bedeutender Ort für naturnahe Naherholung – ein Ort, um Natur pur zu erleben. Allein: Es fehlt an einer attraktiven Anbindung. Die Zitadelle ist für Fußgänger*innen nur schlecht aus der Altstadt zu erreichen wegen der stark befahrenen, unattraktiven, verlärmten Straße zwischen Juliusturm und Zitadelle.
  • Ohne Zweifel wird die Bedeutung der Zitadelle als Naherholungsort zukünftig weiter steigen, vor allem aus 2 Gründen:

    • Absehbar ist, dass im weiteren Umfeld der Zitadelle neue Wohngebiete entstehen werden – viel mehr Menschen als heute werden diese einmalig schönen Grünflächen aufsuchen.
    • Der Klimawandel ist längst im Gange. Wenn es stimmt, dass wir in Zukunft in der Stadt mit einer Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um mehr als 3 Grad, mit häufigeren Sturmereignissen, mit Trockenperioden usw. zu rechnen haben, dann werden Grünflächen mehr denn je wichtig für die Menschen.
  • Die Baumbestände im Westen der Zitadelle haben große Bedeutung für den Lärmschutz. Die Lärmlast durch Groß-Events auf der Zitadelle für Bewohner*innen im Kolk ist ja allenthalben bekannt und anerkannt. Baumfällungen mindern die Lärm senkende Bedeutung der Vegetation. „Sichtachsen“ sind „Lärmschneisen“ für die Bewohner westlich der Zitadelle.
  • Fazit: Nirgends in Berlin ist ein so einmalig schöner und wertvoller Ort wie die Zitadelle und ihr Umfeld zu finden: Die Festung, historisch von herausragender Bedeutung, wunderschön eingebettet in die Havellandschaft, prächtiger gemischter Altbaumbestand, außerordentliche Artenvielfalt auf vergleichsweise kleiner Fläche, Lebensraum für Habicht, Biber, Eisvogel, Nachtigall und…und…, Natur pur für Erholungssuchende, Ort von wichtigen Sport und Kulturereignissen – das alles in fußläufiger Nähe der Altstadt. Dieser Naturschatz darf um naiver Vorstellungen von Tourismusentwicklung willen (Sichtachsen, Baumfällungen, „Möblierung“, Asphaltwege u.a.) keinesfalls entwertet werden.

 

 

 

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