Aktuelle Nutzung und Nutzungskonflikte

Aktuelle Nutzungen des Parks und Nutzungskonflikte

Der ca. 7,2 ha große Zitadellenpark wird in vielfältiger Weise für Denkmalschutz, Tourismus, Naherholung, Naturschutz, exklusive Vereinsnutzungen, allgemeiner Wassersport und Kulturevents intensiv genutzt. Nutzungskonkurrenzen und -konflikt sind auf einer derart kleinen Fläche oftmals unvermeidlich.

In Stichworten einige Angaben zu den Nutzungen:

Naherholung / Tourismus

  • Das Zitadellenpark ist ein bedeutender Ort für naturnahe Naherholung – ein Ort, um Natur pur zu erleben.
  • Aus früheren Zeiten wird berichtet, wie attraktiv der Park von den Spandauern seinerzeit erlebt wurde – berichtet wird von Café, Eisbahn, Kulturereignissen im Freilufttheater, Zugang vom Kolk über eine Brücke, Fähre usw.
  • Heute fehlt es an einer attraktiven Anbindung. Die Zitadelle ist für Fußgänger und Fußgängerinnen nur schlecht aus der Altstadt zu erreichen wegen der stark befahrenen, unattraktiven, verlärmten Straße zwischen Juliusturm und Zitadelle.
  • Ohne Zweifel wird die Bedeutung der Zitadelle als Naherholungsort zukünftig weiter steigen, vor allem aus 2 Gründen
  • Absehbar ist, dass im weiteren Umfeld der Zitadelle neue Wohngebiete entstehen werden – viel mehr Menschen als heute werden diese einmalig schönen Grünflächen aufsuchen.
  • Der Klimawandel ist längst im Gange. Wenn es stimmt, dass wir in Zukunft in der Stadt mit einer Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um mehr als 3 Grad, mit häufigeren Sturmereignissen, mit Trockenperioden usw. zu rechnen haben, dann werden Grünflächen mehr denn je wichtig für die Menschen.

Natur- und Landschaftsschutz

  • Das Umfeld der Zitadelle hat einen sehr hohen Naturschutzwert, der weit über die Absichten der bestehenden Rechtsbeschränkungen (u.a. Landschaftsschutzgebiet, geschützte Grünfläche, FFH Gebiet) hinausgeht. Trotz vergleichsweiser kleiner Fläche ist die Umgebung der Zitadelle ein „hotspot“ an Artenvielfalt. Man frage die Tierfotografen, die dort immer wieder anzutreffen sind (Zitadelle europaweit unter Tierfotografen bekannt!).
  • Jede / jeder kann sich von der außerordentlichen Artenvielfalt im Frühjahr morgens oder abends überzeugen – wunderbare, ungewöhnlich vielstimmige „Vogeluhr“. Über 50 Vogelarten leben im Zitadellenpark.
  • Viele gefährdete Arten – u. a. Habicht, Eisvogel, Nachtigall, Specht, verschiedenste Fledermausarten, Biber, Fischotter, Fische und… und… haben hier ihren Lebensraum.
  • Der Westliche Abzugsgraben gilt in Berlin als mutmaßlich artenreichstes „Reproduktionsareal“ für Strömung bevorzugende Fischarten (Rapfen).
  • Für die überregionale Biotopverbindung der aquatischen (Fische) und semiaquatischen Tierwelt ist der Bereich um die Zitadelle (Biber, Fischotter), aber auch für Wasservögel mit dem Westlichen Abzugsgraben von erheblicher Bedeutung. Das Gebiet ist sozusagen das „Nadelöhr“ für alle Arten, die zwischen Ober- und Unterhavel und dem Spreeeinzugsgebiet wandern.

Denkmalschutz

Der Zitadellenpark ist Teil des Denkmalschutzgebietes Zitadelle Spandau. Besonders schützenswert und zum Ensemble Zitadelle gehörend sind die im Park befindlichen Wälle und Lünetten. Aber auch der Park selbst ist von herausragendem kulturellem Wert eines nach den Ideen des Volksparks gestalteten Kleinod. Pflege und Gestaltung sollten unbedingt im Wissen um dieses kulturelle Erbe erfolgen.

Lärmschutz

Die Baumbestände im Westen der Zitadelle haben große Bedeutung für den Lärmschutz. Die Lärmlast durch Groß-Events auf der Zitadelle für Bewohner*innen im Kolk ist allenthalben bekannt und anerkannt. Baumfällungen mindern die Lärm senkende Bedeutung der Vegetation. „Sichtachsen“ sind „Lärmschneisen“ für die Bewohner westlich der Zitadelle.

Vereinsnutzungen

Ca. 20 % der Parkfläche sind langfristig an Vereine verpachtet:

  • Die Wasserfreunde Spandau 04 e.V. nutzen 1,1 ha für Bootsport, Tennis und (seit 2020) Beachvolleyball.
  • Der Angelsport Verein Union 1949 nutzt 0,09 ha.
  • Der Kanusportverband / Kanuslalom 0,16 ha.

Alle Vereinsgeländen sind abgezäunt und damit öffentlich nicht zugänglich, “…bilden zum öffentlichen Raum Rückseiten und erzeugen Fahrverkehre (Vereinsmitglieder, Ver- und Entsorgung, Lieferverkehr) (aus FEK1 2016: 58).

Konflikte von Vereinsnutzungen mit Belangen des Naturschutzes, der Erholung und des Denkmalschutzes werden im FEK detailliert und sehr kritisch dargestellt.

Weiterer Wassersport

Die Wasserflächen rund um den Zitadellenpark sind überaus beliebt bei Wassersportlern und -sportlerinnen (Motor- und Segelboote, Kanu. Paddeln, Stand-Up Paddling usw.). Konfliktträchtig aus Sicht des Naturschutzes ist dabei insbesondere das Befahren des nordwestlichen Grabens (Störung von Wasservögeln, Zerstörung von Schwimmblatt- und Laichkrautvegetation)

Kulturevents

Die Zitadelle ist ein bedeutendes Kulturzentrum. Dort befinden sich Museen, ein Festsaal, Galerien, Künstlerateliers u.v.m. Der Zitadellenpark ist bei Großveranstaltungen im Innenhof (insbesondere OpenAir Konzerte mit bis zu 10.000 Besuchern) stark betroffen. Teilflächen des Parks werden dann zu Eingangs- und Sicherheitsbereichen umfunktioniert mit deutlichen Beeinträchtigungen v.a. für den Naturschutz (Beispiel: „freier“ Toillettengang im angrenzenden Biberwald).

Eine Besonderheit ist die Freilichtbühne. Sie besteht bereits seit 1921. Von Mai bis September wurden in den letzten Jahren ca. 80 Veranstaltungen durchgeführt für im Ganzen ca. 25.000 Besucher. Nennenswerte Konflikte mit anderen Nutzungen bestehen nicht.

1 FEK = Freiraum- und Entwicklungskonzept für das Zitadellenumfeld; Gutachten im Auftrag des Bezirkes, erstellt von bgmr Landschaftsarchitekten; Berlin 2016

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