Unsere Kritik 2017

  1. Baumfällungen

Eine große Zahl starker, alter und prächtiger Bäume sowie eine große Zahl kleiner Bäume und Sträucher, sollen gefällt werden – vielerorts in Form flächiger Räumungen. Es sollen sogenannte Sichtachsen und neue Freiflächen entstehen. Ziel soll sein, historisch wertvolle Orte innen (Lünetten, Erdwälle im Umfeld der Zitadelle) sowie die Festungsanlage von außen, von der Stadt aus sichtbar zu machen.

Das wurde von uns strikt abgelehnt:

Denn die prächtigen Altbäume haben einen hohen Naturschutzwert, Individuum für Individuum. Darüber hinaus sind sie wertgebend als Teil des gesamten Ökosystems. Das Ganze verliert seinen Wert durch die Entnahme der Altbäume.

Auch die Jungwüchse und Sträucher sind von unverzichtbarer ökologischer Bedeutung für den Parkwald:

Jeder / jede kann besonders im Frühjahr erleben, wie es dort „kreucht und fleucht“, blüht und brummt, singt, brütet und Futter sucht. Sie sind Nahrungsgrundlage für die Fledermäuse nach dem Winterschlaf, Jagdgebiet für den Habicht, und vieles mehr.

Prächtige alte Bäume sind schließlich von herausragender Erlebnisqualität für Erholungssuchende. Sie prägen nachhaltig deren Erleben des Parkwaldes. Die Vegetation im Westen der Zitadelle hat große Bedeutung für den Lärmschutz. Allein aus diesem Grund sollten Bäume dort keinesfalls geschlagen werden.

Die vielen neuen Freiflächen (bei den Lünetten Nordkurtine, Kronprinz, König, Südkurtine, und Königin sowie die drei Balkone Vorplatz, Zitadellenweg und Krienicker Bucht) werden schnell verwahrlost und vermüllt sein,

  • Besucher künftig davon abhalten, die Zitadelle weiterhin aufzusuchen und
  • die Bodendenkmale (Erdwalle, Lünetten) gefährden wegen Vandalismus.

Diese Vorhersage kann unschwer mit Erfahrungen an anderen Orten in Spandau und an den bestehenden Freiflächen im Zitadellenumfeld belegt werden. Könnte es nicht auch sein, dass die Bodendenkmale über Jahrhunderte deshalb erhalten werden konnten, weil sie durch Vegetation geschützt waren?

Zusammenfassend: Das Schlagen der Sichtachsen und Freiflächen wird den herausragenden Wert dieses Parkwaldes für Naturschutz, Naherholung und Lärmschutz erheblich schmälern!

  1. Möblierung mit Balkonen

An drei neuen Freiflächen sollen Balkone errichtet werden – am Vorplatz, am Zitadellenweg und an der Krienicker Bucht. Der Sinn dieser Bauten – „Verbesserung der Erlebbarkeit der Wasserlage“, so die Angaben im FEK des Bezirks – erschließt sich uns nicht. Die Argumente gegen neue Freiflächen – Verwahrlosung; verringerter Besuch von Naherholende, Vandalismus – treffen hier in verstärktem Maße zu.

  1. Massive Wegebauten mit Asphalt und Stahlband

Umlaufend um die Zitadelle soll ein ca. 1,3 km langer „Bastionsweg“ gebaut werden. Ausführung in wasserdurchlässigem Asphalt und mit einem breiten Cortenstahl-Band entlang dieses Weges.

Dies lehnen wir aus folgenden Gründen ab:

  • Der Bastionsweg kostet sehr viel Geld mit fragwürdigem Effekt.
  • Asphalt und Cortenstahl sind „fremde“ Elemente in einem naturnahen Parkwald, passen überhaupt nicht zum Charakter des Zitadellenumfeldes. Dass diese Maßnahme seitens der Denkmalschutzbehörde einfach hingenommen wird, verwundert doch, da an anderer Stelle ein deutlich strengerer Maßstab angelegt wird.
  • Für das Erstellen eines Wegebettes sind erhebliche Bodenarbeiten notwendig. Dies wird unvermeidbar zu starken Wurzelverletzungen der angrenzenden alten Bäume führen mit der Folge; Baumsterben, sinkende Abwehrkräfte gegen Pilze, Insekten, Trockenheit usw., im Westen Erhöhung der Sturmwurfgefahr.
  • Der Bastionsweg soll in die besonders wertvollen Bereiche entlang des Schweinekopfes geführt werden – mit irreversiblen Verlusten an Naturschutz und naturnaher Erholung, obwohl eine alternative, attraktive Wegführung entlang der Schleuse problemlos möglich wäre.
  • Das Cortenstahlband – teils bodengleich, teils erhöht mit Informationen über die Festungsanlage – ist eine ideale „Leinwand“ für Sprayer.
  1. Neugestaltung des Parkes zwischen Zitadellenbrücke und Freilufttheater

Der vorhandene Spielplatz bei der Zitadellenbrücke soll verlegt werden in den kleinen Park zwischen Brücke und Freilufttheater. Zudem sollen – „zwecks Aufwertung des kleinen Parks“ – weitere Aktivitätseinrichtungen erstellt werden.

Wir lehnen dies ab, denn

  • dort horstet der Habicht (streng geschützte Art)

Die Aussage im FEK – Zitat „…Schutz der Nestumgebung vor Störungen während der Brutzeit…usw.“ ist lediglich ein Lippenbekenntnis. Denn wie soll das geschehen, wenn Besucher dort von Aktivitätseinrichtungen auf engem Raum angelockt werden.

  • der kleine Park ist mit Bänken ein schöner Ort der Ruhe für Erholungssuchende und das sollte so bleiben in der Nähe des „umtriebigen“ Eingangbereichs
  • es ist keine 3 Jahre her, dass der bestehende Kinderspielplatz mit viel Geld sehr schön und an attraktivem Ort eingerichtet wurde.
  1. Völlig unattraktiver Zugang zur Zitadelle von der Altstadt aus

Die Zitadelle ist für Fußgänger*innen nur schlecht von der Altstadt aus zu erreichen. Denn der einzige Zugang ist die stark befahrene, unattraktive und verlärmte Straße über die Juliusturmbrücke.

Jeden Tag kann beobachtet werden, dass Touristen oder Erholungssuchende von der Altstadt aus bis auf die Juliusturmbrücke laufen, das Geschehen an / in der Schleuse beobachten und fotografieren. Sie laufen aber die Straße am Juliusturm hin zum Haupteingang nicht weiter, kehren vielmehr um und suchen attraktive andere Orte – Kolk, Lindenufer, Wröhmännerpark.

Alle Planungen – Sichtachsen, Balkone, Bastionsweg, freigelegte Lünetten usw. werden ohne positive Effekte bleiben, wenn das Problem des attraktiven Zugangs nicht gelöst ist.

Außerdem fehlt es an den einfachsten Ausschilderungen für Touristen und Erholungssuchende.

  1. Keine Angaben zur Finanzierung von Folgekosten für laufenden Unterhalt von Wegen, Balkonen usw.

Die Maßnahmen sollen alle mit einmaligen Investitionsmitteln durchgeführt werden

  1. Forderung nach langfristigem Pflegeplan

Die einmalige Struktur des Parkwaldes, Bäume unterschiedlichen Alters auf kleinster Fläche samt Vielfalt der Baumarten (Eiche, Ahorn, Ulme, Erle, Esche, Buche usw.) droht wegen fehlender Pflege von jüngeren Bäumen und Unterstand verloren zu gehen. Um den einmaligen Charakter des Zitadellenumfeldes zu erhalten, sind dringendst Pflegemaßnahmen im Rahmen eines längerfristig gültigen Plans verbindlich zu vereinbaren und auch längerfristig finanziell abzusichern.

  1. Keine Bürgerbeteiligung

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